Verband für Kindergottesdienste der Ev. Landeskirche in Baden

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Evang.Landeskirche

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Förderverein

 

 

 

 

 

Themen

Themenübersicht

  1. "Singen mit Kindern" auf der Homepage des Kirchenchorverbandes
  2. Die Lebenswelt Jesu
  3. Ein Plan für alle Fälle - so kann man den "Plan für den Kindergottesdienst" nennen
  4. Bei Störungen im Kindergottesdienst mit Ritualenarbeiten
  5. Fernsehen ist die Sozialisationsagentur für Kinder
  6. Versicherungsschutz
  7. Vorüberlegungen zu einer Didaktik des Perspektivenwechsels (Prof. Rupp)
  8. Spielen im Kindergottesdienst
  9. Land und Leute in Palaestina zur Zeit Jesu (Gedanken zum Seminar in Hohenwart Juli 2003)

2. Die Lebenswelt Jesu –
oder: Die römischen Provinzen Palaestina und Iudaea im ersten Drittel des 1. Jh. n. Chr.

Gedanken zu einem Basic religionspädagogischer Vermittlung von Dr. Petra Mayer-Reppert M.A., Archäologin und Museumspädagogin

Als Johann Peter Hebel in den Jahren 1818-1824 an der Fertigstellung eines Schulbuches für die evangelischen Schulen Badens, den "Biblischen Geschichten", arbeitet, ist eines seiner wichtigsten Ziele, die Kinder bei ihrer eigenen Alltagserfahrung abzuholen, sie aus ihrer Lebenswelt heraus behutsam in die ferne Lebenswelt der Bibel zu leiten.

Seither sind rund 180 Jahre vergangen, die Lebenswelten der Bibel noch ein Stück weiter entfernt.

Die Problemstellung ist jedoch bis heute die gleiche. Die Lebenswelten des AT und NT sind dem Menschen des 21. Jh. nicht nur fern, sondern auch fremd: Die historischen Rahmenbedingungen und die Alltagskultur jener Epochen sind heute im Regelfall nur noch speziellen Kreisen wie Archäologen, Historikern und einem kleinen, interessierten Laienpublikum bekannt. Im Geschichtsunterricht werden kaum noch tragfähige Wissensgrundlagen zu den Kulturen der Antike gelegt.

Im Klartext heißt das: Zur Zeit wächst eine Generation heran, die von schulischer Seite her nicht mehr mit den Lebenswelten der Bibel vertraut gemacht wird. Da Geschichte und Alltagskultur jener Epochen jedoch grundlegend sind für das Verständnis der biblischen Bildsprache, werden diese Kinder als Erwachsene Schwierigkeiten haben, biblische Grundaussagen zu verstehen und selbständig für sich umzusetzen. Letztendlich wird damit dem christlichen Glauben seine Grundlage entzogen.

Die Konsequenz aus dieser Sachlage kann also nur heißen: Die Kirche muß in Zukunft diese spezielle historische Vermittlungsarbeit selbst übernehmen, sei es im Religionsunterricht, im Konfirmandenunterricht, oder eben im Kindergottesdienst.

Hierbei sind in erster Linie Religionslehrer und Kindergottesdienstmitarbeiter gefordert.

Im Selbststudium ein solides Wissensfundament aufzubauen ist jedoch für die Betreffenden kaum zu leisten.

Wir müssen also qualifizierte Weiterbildungsangebote für Haupt- und Ehrenamtliche entwickeln.

Dies ist sowohl auf regionaler Ebene in den Kirchenkreisen als auch auf landeskirchlicher Ebene wie der "MitarbeiterInnen-Uni" denkbar. Dafür bietet sich die Zusammenarbeit mit qualifizierten Wissenschaftlern auf Referentenbasis an.

Wie kann nun eine solche Weiterbildung zum Neuen Testament, der Lebenswelt Jesu, für KindergottesdienstmitarbeiterInnen aussehen?

Oberste Priorität hat natürlich eine unmittelbare Ergebnisorientiertheit für die Umsetzung im Kindergottesdienst.

Die Veranstaltungen sollten eine lockere Reihe bilden, in sich abgeschlossen sein und jederzeit einen Quereinstieg erlauben.

Ausgehend von den politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der damaligen Zeit nähern wir uns schrittweise dem Alltagsleben an.

Die Einstiegseinheit etwa könnte – im Historikerjargon – heißen: "Palaestina zur Zeit der Herodiden und unter römischer Herrschaft". Schon allein der Titel klingt abschreckend, das Thema wird vielleicht von manchen als trocken empfunden ("Was hat Glaube mit Geschichte zu tun?") und ist sicherlich im Kindergottesdienst so nicht unmittelbar umzusetzen. Es erwächst aber ein Verständnis für die im NT oft nur angedeuteten Zeitbezüge.

Mit Alltagsthemen (Jesus und das Geld – Jerusalem zur Zeit Jesu – Orte, an denen Jesus lebte und wirkte – u.v.m.) nähern wir uns aber schnell dem Themen, die Kinder interessieren: Was kostete damals ein Brot? – Wie sahen die Häuser aus? – ...

Viele Fragen lassen sich schon im Voraus beim Erzählen beantworten. Fundiertes Detailwissen ermöglicht lebendiges, farbiges Erzählen. Lebendige, detaillierte Schilderungen prägen sich fest ein. Lebendiges Erzählen schafft aber auch emotionale Nähe zum Helden der Geschichte und regt zu einer eigenständigen Auseinandersetzung mit dem Geschehen an.

Vertieftes Wissen kann über das Erzählen hinaus in künstlerisch-praktischer Tätigkeit (Töpfern, Kochen, Werken) mit den Kindern im Kindergottesdienst umgesetzt werden. Erkenntnisse der experimentellen Archäologie öffnen Kindern neue Erfahrungshorizonte, lassen sie antike Realität am eigenen Leib spüren. Vertieftes Wissen kann einfließen in größere Projekte wie Krippenspiele, Kinderbibeltage, Schauspiele/Musicals bis hin zu Großevents wie Spielstädte. Ist der Weg der "Lebendigen Archäologie" im Kindergottesdienst erst einmal beschritten, ist der Kreativität (fast) keine Grenze mehr gesetzt.

Dennoch muß niemand das Rad neu erfinden: Workshops und Seminare können in Arbeitsmappen für Gemeinden und Mitarbeiter münden, wie dies bereits jetzt z.B. für die Gestaltung von Kinderbibeltagen der Fall ist.

3. Ein Plan für alle Fälle - so kann man den "Plan für den Kindergottesdienst" nennen bzw. verstehen

Herausgeber ist der Gesamtverband für Kindergottesdienst in der Evangelischen Kirche in Deutschland. Jedes Kindergottesdienstteam sollte diesen Plan nicht nur zur Verfügung haben, sondern auch damit arbeiten können. Es lohnt sich. Warum es sich lohnt?

1. Der Plan als Grundlage und Planungsinstrument
Der Plan für den Kindergottesdienst ist die Grundlage für viele Arbeitshilfen z.B. Evang. Kinderkirche und Kindergottesdienst praktisch. Nur weil es einen solchen Plan gibt, ist es möglich solche Arbeitshilfen im Voraus zu erarbeiten bzw. den Kindergottesdienstteams anzubieten. Die meisten Kindergottesdienstteams halten sich an die Vorgaben des Plans, natürlich gibt es Gründe auch einmal von ihm abzuweichen.

Darüber hinaus ist der Plan für den Kindergottesdienst ein hervorragendes Planungsinstrument. Die einzelnen Kindergottesdienstteams können mit seiner Hilfe z.B. einen Jahresplan für ihren Kindergottesdienst erstellen. Im Voraus kann also entschieden werden was machen wir wann, welche besonderen Veranstaltungen z.B. Gemeindefest, Ausflug, Familiengottesdienst wollen wir einplanen? Gibt es Einheiten die wir tauschen bzw. austauschen (z.B. durch die abgedruckten Ergänzungseinheiten) wollen? Welche Einheiten brauchen eine besonders frühzeitige Planung, weil sie z.B. besondere Materialien oder auch Menschen brauchen?

2. Der Plan als Vorbereitungshilfe
Das allerwichtigste ist aber, dass der Plan für den Kindergottesdienst eine konkrete Vorbereitungshilfe für die Kindergottesdienstteams ist. In jedem Jahrgang werden Texte eines Evangeliums als Schwerpunkt ausgewiesen. Im Jahr 2006 ist dies das Matthäusevangelium. Daneben gibt es auch immer so genannte Ergänzungseinheiten. Sie erschließen zusätzliche Texte, somit wird die Auswahl breiter. Es sind also zusätzliche Angebote, die die Kindergottesdienstteams dann, wenn z.B. eine geplante Einheit nicht gefällt oder passt, aufnehmen können.
Der Plan bietet nicht nur Texte, sondern er bietet vielfältige Informationen und Ideen rund um die biblischen Texte bzw. Themen. Jede Bearbeitung ist folgendermaßen aufgebaut:
"Das Thema und die Kinder" kommen in Begegnung,
"Zugänge und Hindernisse" werden benannt.

Hier erfahren sie alles Wesentliche über die Zielrichtung der Einheit.

Diese Vorarbeit mündet in "Wege der Entfaltung". Sie zeigen Ihnen alternative Möglichkeiten zur Umsetzung in Ihrem Gottesdienst auf, besonders auch im Hinblick auf die verschiedenen Altergruppen. Wenn Sie 14tägig oder monatlich Kindergottesdienst feiern, geben Ihnen die kursiv besetzten Schwerpunkttexte erste Hinweise auf Möglichkeiten der Entfaltung. Unter der Rubrik "Im Gottesdienst" finden Sie einen exemplarischen Vorschlag zur liturgischen und inhaltlichen Gestaltung, unterstützt durch Hinweise auf Materialien und Medien unter "Hilfen zur Gestaltung".
Wenn Sie Themen suchen für Kinderbibeltage, Kinderbibelwochen, Kinderkirchentage finden Sie darüber hinaus im Verzeichnis der Bibelstellen und Stichworte erste Zugänge. Viele Anregungen erhalten Sie durch die ausführlichen Materialhinweise, die Ihnen als Fundgrube dienen können. Insgesamt kann man also sagen: Im Plan für den Kindergottesdienst werden die vorgesehenen Reihen didaktisch aufgearbeitet und diese stellen mit ihrem Materialteil eine Fundgrube für die religionspädagogische Arbeit mit Kindern dar. Orientiert an der Vielfalt der Gottesdienst mit Kindern in der EKD, bietet der Plan eine große Bandbreite an biblischen Reihen, Texten, Themen und Symbolen. Er bietet Angebote für wöchentliche, 14tägige und monatlich stattfindende Kindergottesdienste, sowie Themen für Kinderbibeltage, Kinderbibelwochen, Kinderkirchentage. Der darin enthaltene große Materialanteil macht diesen Plan weit über den Kindergottesdienst hinaus (z.B. Religionsunterricht, Konfirmandenunterricht) interessant.

3. Wie entsteht der Plan?
Herausgegeben wird der Plan vom Gesamtverband für Kindergottesdienst in der Evangelischen Kirche in Deutschland. Dazu wird eine so genannte Textplankommission mit Vertreterinnen und Vertreter aus vielen Landeskirchen zusammengestellt. Die Menschen dieser Gruppe haben nun die Aufgabe, einen Plan für drei Jahre zu erstellen. Zu jedem Text bzw. Thema erarbeiten die Kommissionsmitglieder theologische, religionspädagogische und gemeindepädagogische Grundlagen, sowie praktische Ideen, weiterführende Literaturangaben und vieles mehr.

4. Schöne Ideen und Tipps aus dem aktuellen Plan für den Kindergottesdienst

Der Plan ist wie gesagt eine Fundgruppe an kreativen Ideen, guten Gedanken und Material- bzw. Medientipps zu ganz unterschiedlichen Themen und Texten. Wer bestimmte Themen oder biblische Texte, Materialien oder Hindergrundinformationen sucht, ist gut beraten zuerst einmal in diesem Plan nachzuschlagen. Das dort abgedruckte Stichwortverzeichnis und das Bibelstellenregister helfen schnell einen Überblick zu gewinnen.

Hier einige Beispiele:

Bastelideen: Spiegelkarte, S. 178 – Menschen mit Herz sind Engel, S. 213 – Tischtheater, S. 280.

Spiele und Aktionen: Denkrätsel zum Thema Grenzen überschreiten, S. 62 + 67 – Kooperationsspiele, S. 186 ff. – Der Staunspaziergang, S. 31 – Mit einem Labyrinth den Weg durchs Leben bauen, S. 36.

Bilder: Der König beim Abwasch, S. 120 – Rundbild zur Schöpfungsgeschichte, S. 138.

Texte: Was ein Mensch gesagt bekommen (Gedicht von Brecht, S. 3) – Große Frage (Gedicht von E. Fred, S. 157) – Bearbeitung zum Magnifikat, S. 177.

Lieder: Tauflied auf die Melodie "Jesu, geh du voran" S. 54 – Dies ist der Tag, den der Herr gemacht, S. 114 – Mitten unter uns will Gott wohnen, S. 131 – Ja, wir bitten um Gottes Geist, S. 246.

Gebet und Segen: Segenswort mit Rückenstärkung, S. 67 – Fürbittenkette, S. 129 – Abschluss- und Segensritual, S. 186 – Vater unser mit Gebärden, S. 241 – aaronitischer Segen mit Gesten, S. 260.
Manfred Hilkert

4. Bei Störungen im Kindergottesdienst mit Ritualen arbeiten

1.Störungen im Kindergottesdienst
2.Rituale im Kindergottesdienst
3.Rituale und Impulse bei Störungen während des Kindergottesdienstes
4.Hinweis: Bilderbücher über die Wut
5.Abschiedsritual nach einem Konflikt
Den Aufsatz als PDF-Datei (11 Seiten) ansehen?

5. Fernsehen ist die Sozialisationsagentur für Kinder
Für die 6 - 13jährigen Kinder bleibt das Fernsehen die liebste Freizeitbeschäftigung. Zwar steigt die Akzeptanz der neuen Kommunikationsmedien auch in dieser Altersgruppe, zwar gehören das Treffen mit Freunden und das Spielen (drinnen und draußen) auch zu den bevorzugten Aktivitäten, doch den Spitzenplatz nimmt das Fernsehen ein:

80 % der Kinder sehen täglich oder fast täglich fern, dazu noch 18 % ein- oder mehrmals pro Woche.

Das ist ein wesentliches Ergebnis der Basisuntersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest "KIM-Studie 2000 - Kinder und Medien, Computer und Internet" im Erhebungszeitraum November und Dezember 2000.

Drei Einzelergebnisse aus der repräsentativen Untersuchung:

1. Medienbindung
Drei Viertel der Kinder geben an, auf das Fernsehen am wenigsten verzichten zu können, für 12 % trifft das auf den Computer zu, für 7 % auf Zeitschriften/Heftchen und für 6 % auf das Radio.

2. Situationsbezogene Mediennutzung
In welchen Situationen oder für welche Bedürfnisse sind Medien für Kinder im Alter von 6 - 13 Jahren wichtige Alltagsbegleiter? Die Kinder setzen das Fernsehen - im Vergleich zu anderen Medien (am Computer sitzen, Lesen, Telefonieren, CDs hören, Radio hören, Video sehen) - in sieben Bereichen auf den ersten Platz:

Wenn sie gute Laune haben und mit Freunden zusammen sind, dann sind Fernsehen und CDs hören gleichermaßen die beliebteste Plattform (jeweils 14 % bzw. 12 %). Nur beim Musik hören rangiert die TV-Nutzung abgeschlagen auf dem dritten Platz (5 %).

3. Geräteausstattung im Haushalt / Gerätebesitz der Kinder
In allen Haushalten, in denen Kinder aufwachsen, ist lt. Angaben der Erziehungspersonen ein Fernsehgerät vorhanden; 34 % der Kinder besitzen einen eigenen Fernseher (West: 29 %, Ost: 51 %). Die Besitzrate beim Videorecorder beträgt insgesamt 8 % (West: 6 %, Ost: 16 %).

Der persönliche Besitz eines Fernsehgeräts erlaubt Kindern in der Regel eine autonome Nutzung, inhaltlich und zeitlich. Auch da, wo im Haushalt nur ein Gerät zur Verfügung steht, weist die Untersuchung darauf hin, dass die Nutzung dieses Geräts oft durch Kinder (mit-)bestimmt wird.

Fazit
Weitere Einzelergebnisse aus der o.g. KIM-Studie und diverse Analysen zur Fernsehnutzung von Kindern im Alter von 6 - 13 Jahren lassen diese Aussagen zu:

Fernsehen ist die Sozialisationsagentur für Kinder;
Das Fernsehprogramm am Nachmittag bietet in hohem Maß fiktionale Angebote, Daily Talks, und Daily Soaps; hier begegnen Kinder Personen und/oder Figuren, zu denen sie besondere Beziehungen entwickeln: Idole, Vorbilder;
Das Fernsehprogramm am Frühabend (19:00 h - 21:30 h), eigentlich als ein Erwachsenenprogramm mit oft wenig für Kinder geeigneten Inhalten gesendet, ist faktisch ein Familienprogramm mit Kindern;
Die "Marken" aus dem Fernsehprogrammangebot stellen für Kinder (und oft auch für Erwachsene) Erstorientierung in der Informations- und Datenflut Internet dar;
Die Ratgeber- und Vermittlungsfunktion der Eltern/primären Erziehungspersonen rückt immer mehr in den Hintergrund;
Kinder brauchen kompetente und verlässliche Begleiter/-innen zur Entwicklung und Förderung ihrer eigenen Medienkompetenz;
Lehrerinnen und Lehrer, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit sollten (zumindest zeitweise) intensiv die von Kindern bevorzugt gesehenen Programme bei deren Lieblingssendern (Super RTL, RTL II, RTL, PRO 7, KIKA) verfolgen.
(aus RPI aktuell Oktober 2002)

6. THEMA Versicherungsschutz

Immer wieder erreichen mich Anfragen in Sachen Versicherungsschutz von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zurecht nehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kindergottesdienst Fragen rund um dieses Thema Ernst. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nützen, um Ihnen einen interessanten kurzen und doch sehr informativen Artikel zukommen zu lassen. Es tut gut zu wissen, dass ehrenamtliches Engagement von der Evangelischen Landeskirche in Baden gut versichert ist.

ALSO: ENGAGEMENT MIT SICHERHEIT

Versicherungsschutz für Ehrenamtliche
Was tun, wenn auf einer Freizeit die zu beaufsichtigenden Jugendlichen einen Schaden anrichten? Oder wenn ich mit meinem Privat-Pkw die Lebensmittel für ein Wochenende in das Freizeitheim transportiere, ich aber unterwegs einen Blechschaden verursache? Was tun, wenn im Gemeindehaus etwas kaputt geht und ich die Verantwortung für die Gruppenmitglieder trage? Dann entsteht sehr schnell die Frage: Bin ich als ehrenamtliche Mitarbeitende/Mitarbeitender versichert? Ja, so ist es – denn für Ehrenamtliche, die im kirchlichen Auftrag tätig werden, besteht umfassender Versicherungsschutz.

Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist nach § 828 Abs. 1 BGB dem Anderen zum Ersatz des daraus entstandenen Schadens (z.B. Verdienstausfall, Heilbehandlungskosten, Schmerzensgeld) verpflichtet. Diese kraft Gesetz angeordnete Schadensersatzpflicht trifft jedermann.

Für die Beurteilung der Haftung gegenüber dem Geschädigten spielt es keine Rolle, ob der Schädiger den Schaden als Privatperson in seiner Freizeit oder als ehrenamtliche Mitarbeiterin oder als ehrenamtlicher Mitarbeiter verursacht hat. Angesichts der Tatsache, dass die ehrenamtlich Tätigen ihre Dienste unentgeltlich zur Verfügung stellen, hat die Evangelische Landeskirche in Baden die ehrenamtlichen in gleicher Weise und gleichem Umfang mitversichert wie die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass weder der/die Ehrenamtliche mit seinem Privatvermögen haftet, noch die Beschäftigungsstelle für den Schaden aufkommen muss, zumal Privathaftpflichtversicherungen die ehrenamtliche Tätigkeit regelmäßig vom Versicherungsschutz ausschließen.

Haftpflicht
Über den Haftpflicht-Sammelversicherungsbetrag besteht u.a. Versicherungsschutz für das persönliche, gesetzliche Haftpflichtrisiko aus der dienstlichen Tätigkeit.
UnfallÜber den Sammel-Unfallversicherungsvertrag besteht Versicherungsschutz, auch für ehrenamtlich tätige Personen, während der Zeit ihrer dienstlichen Verrichtungen.
Wie bei den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besteht kein Versicherungsschutz, wenn die verunfallte Person wegen des Unfalls Leistung nach den Bestimmungen des Sozialgesetzbuches zu erhalten hat.

Dienstreise-Kasko-Versicherung
Im Bereich der Dienstreise-Kasko-Versicherung besteht der Schutz des Sammel-Versicherungsvertrages bei vorher angeordneten Auftragsfahrten für Ehrenamtliche mit erweitertem Versicherungsschutz.

(Reuter)

Info:
Zur Versicherung in der Evangelischen Landeskirche in Baden, einschließlich den Versicherungsschutz der Ehrenamtlichen, kann eine Versicherungsbroschüre mit dem Titel "Gemeinsam auf sicherem Weg" kostenfrei bei der Expeditur des Evangelischen Oberkirchenrats angefordert werden unter:

Tel. 0721 – 9175 – 727 oder per e-mail: Werner.Rogg@ekiba.de

Aus: Mitteilungen 3/2001

7. Vorüberlegungen zu einer Didaktik des Perspektivenwechsels
Referat bei der Alpikagruppe "Gemeindliche Arbeit mit Kindern" Karlsruhe Durlach 23.10.2002
Prof. Dr. Hartmut Rupp
Vortrag als PDF-Datei ansehen?

 

8. Spielen im Kindergottesdienst

1. Im Kindergottesdienst spielen?

1.1. Spielen im Kindergottesdienst - hat viele gute Gründe!

Spielen ist eine sinnvolle Beschäftigung
Erwachsene haben oftmals eine sehr ambivalente Haltung zum Spielen. Das "nur Spielen" wird häufig voreilig als nutzlose Zeitvergeudung eingeschätzt und mit der Frage "Hast du nichts besseres zu tun?" negativ quittiert. Andererseits erleben auch immer mehr Erwachsene, wie das Spielen, gerade auch gemeinsam mit den Kindern, alles andere als Zeitvergeudung ist. Darüber hinaus ist die Tatsache, dass unendlich viele Gameshows täglich aus dem Fernseher in unser Wohnzimmer Einlass finden ist zumindest ein Indiz dafür, dass das Spielen wohl auch alterstunabhängig und damit generationenübergreifend eine reizvolle Beschäftigung darstellt. Wobei es natürlich ein himmelweiter Unterschied ist, ob man mehr oder weniger passiv über den Fernseher eine Gameshow konsumiert oder ob man in einer Gruppe gemeinsam ein Spiel erlebt und aktiv mitgestaltet. Insgesamt entdecken immer mehr Familien und auch Mitarbeitende im Kindergottesdienst die Chancen und das bereichernde am gemeinsamen Spiel.

Richtig so! Denn längst hat auch die Spielpädagogik den Verdacht, dass spielen nutzlos und eine Zeitvergeudung wäre, widerlegt. Das gemeinsame Spielen ist nicht nur unterhaltsam sondern äußerst lehrreich. Auch hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Spielen oft positive Auswirkungen auf unseren Alltag bzw. dessen Bewältigung hat. "Spielen ist Ausdruck von Hoffnung und kann Energiequelle für die Veränderung realer Zustände werden."

Folgende Aspekte des Spielens sind für unsere Kindergottesdienste von besonderem Interesse und wohl auch die Ursache dafür, dass immer mehr Mitarbeitende das Spielen im Kindergottesdienst als ein bereicherndes Element entdecken:

Spielen nimmt die Bedürfnisse der Kinder ernst und macht Spaß
Wenn wir im Kindergottesdienst gemeinsam spielen, ist dies ein wichtiger Beitrag um die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder auf- bzw. ernst zu nehmen. Spielen ist eine sehr einfache aber auch sehr wirksame Möglichkeit die Perspektive hin zu den Kindern zu wechseln. Beim Spielen gelten für alle Beteiligten, also für Erwachsene und Kinder, die gleichen Spielregeln.

Für Kinder gehört das Spiel wie Essen und Schlafen zum lebensnotwendigen. Spielen macht Spaß, setzt Kreativität frei und fasst immer ist damit auch ein Lernzuwachs verbunden. Die Neugier der Kinder, sich auszuprobieren, neue Erfahrungen machen zu können, wird spielerisch und ganzheitlich aufgenommen. Und obwohl es beim spielen sehr ernst zugehen kann, geschieht dies alles doch in einem "geschützten Raum". Gerade das ist vielleicht der besondere Reiz des Spielens. Aber auch dem kindlichen Bewegungstrieb wird durch das Spielen Rechnung getragen. Ein Kindergottesdienst, der nicht ausreichend "bewegt" ist, ist für Kinder schlicht eine Zumutung. Das gilt ganz besonders für die Jungen. Gerade für die sich immer stärker vom Kindergottesdienst verabschiedende Gruppe der Jungs ist das Spielen sicherlich eine willkommene Bereicherung.

Spielen ist Beziehungsarbeit
Wenn wir gemeinsam mit den Kindern spielen, dann ist das eine äußerst intensive Beziehungsarbeit. Im Spiel lernen sich die Kinder untereinander, aber auch uns Mitarbeitende und umgekehrt kennen. Spielen kann helfen Vorurteile abzubauen bzw. neue Sichtweisen über Mitspielende zu gewinnen.

Eine große Stärke und Chance des Kindergottesdienstes sind gerade seine intensiven Beziehungsstrukturen. Sicher werden durch das gemeinsame Spielen im Kindergottesdienst noch intensivere Beziehungen zwischen Mitarbeitenden und Kindern wachsen können.

Spielen hat Ziele und Absichten
Daneben können wir im Kindergottesdienst mit dem Spielen auch bestimmte, von uns erwünschte Absichten und Ziele verbinden. Ein kleines Beispiel macht deutlich, wie das geschehen kann:

Sicherlich kennen Sie die Situation, dass die Kinder voller Unruhe und Spannung im Kindergottesdienst vor uns sitzen und es unmöglich erscheint, sie für eine Sache, ob nun Geschichte oder was auch immer, zu interessieren. Hier kann ein kleines Spiel, das dem Ziel "Abbau von Spannungen und Unruhe" dient, wahre Wunder wirken.

Aber auch wenn es unser Ziel ist, die Kinder in Kleingruppen einzuteilen, kann dies auf spielerische Art und Weise geschehen. Wer also ein gewisses Repertoire von Spielen im Hinterkopf hat bzw. auf ein solches zurückgreifen kann, kann damit auf viele Situationen angemessen und flexibel mit einem ausgesuchten Spiel reagieren.

Wenn es darum geht eine biblische Geschichte oder ein Thema bzw. eine Person motivierenden im Kindergottesdienst einzuführen können wir dazu bestimmte Spiele einsetzen.

Schließlich können Spiele auch dazu beitragen, um theologische bzw. religionspädagogische Anliegen zu verdeutlichen oder zu einer ganzheitlichen Erfahrung werden zu lassen. Zunächst nur theoretisch formulierte Aussagen werden dann z.B. mit Spielen aus dem Bereich "Mit allen Sinnen /Körperkontakt", zu einer praktischen und ganzheitlichen Erfahrung. Allerdings ersetzen Spiele in der Regel die im Kindergottesdienst übliche, kindgemäße und kreative Auseinandersetzung mit dem biblischen Text oder Thema nicht.

Es gibt also genügend gute Gründe um im Kindergottesdienst mit "Spielen" zu operieren, sodass niemand erst den Ehrgeiz zu entwickeln braucht sämtliche Spiele, die wir im Kindergottesdienst einbringen wollen in einen theologischen oder biblischen Kontext zu stellen bzw. damit versucht diese zu legitimieren.

1.2. Spielorte - rund um den Kindergottesdienst

1.2.1. Spielen im Kindergottesdienst
Unsere Kindergottesdienste sind vollwertige Gottesdienste mit vielen kindgemäßen, liturgischen Elementen. Sie sollen es auch bleiben. Dies macht aber nur Sinn bzw. ist nur dann eine Bereicherung, wenn wir die Liturgie als etwas sehr lebendiges und auch als etwas abwechslungsreiches verstehen. Liturgie ist immer wieder eine Gestaltungsaufgabe, die wir gerade um die Kindern nicht zu langweilen, ernstnehmen müssen. Spielen ist dabei sicherlich ein wichtiges und bereicherndes Gestaltungselement, allerdings darf der Kindergottesdienst sich nicht zu einer "Spielstunde mit Gebet" entwickeln. Da gibt es genügend andere Orte in unseren Gemeinden, wo dies im Vordergrund stehen darf. Ziel dieser Spielesammlung ist viel mehr Spiele harmonisch in unsere liturgisch geprägten Gottesdienstfeiern einzufügen bzw. damit zu ergänzen.

1.2.2. Spielen vor oder nach dem Kindergottesdienst
Die bisherigen Überlegungen, dass das gemeinsame Spielen ein wertvolles Element ist, reizen über einen weiteren intensiven und damit besonderen Spielort im Kindergottesdienst, nachzudenken.

Einen wichtigen Impuls dazu kann uns ein Blick zur der "Willow Creek" Gemeinde in Chicago/USA geben.

Die Willow Creek Gemeinde ist eine schnellwachsende Gemeinde, die sich zum Ziel gesetzt hat, besonders die "Fernstehenden" anzusprechen. Das Konzept ist erfolgreich. Über 20.000 Erwachsene besuchen übers Wochenende die unterschiedlichen Gottesdienste. Daneben gibt es ein eigenes Angebot "Promiseland" für Kinder. Promiseland wird als Kindergottesdienst der Willow Creek Gemeinde verstanden. An jedem Wochenende treffen sich über 3.000 Kinder. Bei Gesprächen mit Mitarbeitenden in Promiseland wurde ich immer wieder auf die positiven Auswirkungen der sogenannten "Fune Zone" hingewiesen. Die "Fune Zone" ist nichts anderes als ein regelmäßiges Angebot an die Kinder etwa 20 Minuten lang, bevor der eigentliche Gottesdienst beginnt, nach Herzenslust zu spielen. Aus Sicht der Mitarbeitenden ist dies eine wichtige Phase von Promiseland, die sie selbst intensiv zum Mitspielen nutzen. Besonders der bereits von mir an anderer Stelle ausgeführte Aspekt der Beziehungsarbeit steht dabei aus Sicht der Mitarbeitenden im Vordergrund. Auch die Begeisterung der Kinder hat mich von der Attraktivität eines solchen Spielangebotes überzeugt. Hinzu kommt die Erfahrung, dass die Kinder ausgeglichen, entspannt und somit offen für das was dann folgt, aus der "Fune-Zone" herauskommen.

Vielleicht haben Sie ja die Möglichkeit, zusätzlich zum Spielen im Kindergottesdienst selbst, den Kindern ein regelmäßiges Spielangebot, am Besten vor dem Kindergottesdienst, zu machen. Bei gutem Wetter wird vor der Kirche/dem Gemeinderaum gespielt und bei schlechtem Wetter in der Kirche oder im Gemeindehaus. Dem Kindergottesdienst sind dann etwa 20 Minuten gemeinsames Spielen vorgeschaltet!

1.2.3. Spielen zu besonderen Anlässen
Rund um den Kindergottesdienst gibt es immer wieder besondere Veranstaltungen und Anlässe bei denen "das gemeinsame Spielen", gerade aus Sicht der Kinder, gefragt ist.

Beim jährlichen Kindergottesdienstausflug lädt vielleicht eine Wiese zu Ball- oder Fangspielen ein.
Aber auch beim Gemeindefest ist ein solches Spielangebot aus Sicht der Kinder bestimmt eine Bereicherung.
Ohne Zweifel dürfen Spiele auch bei einer Kindergottesdienstfreizeit nicht fehlen.
Zum Buch Kindergottesdienstspiele?

9. "Land und Leute in Palaestina zur Zeit Jesu"
Gedanken zum Seminar in Hohenwart vom 11.-13.7.2003

24 Erwachsene und 25 Kinder zwischen 3 und 13 Jahren fanden sich an diesem hochsommerlichen Wochenende in Hohenwart ein, voller Erwartung, gespannt und neugierig auf das Thema.

Ziel war, die Lebenswelt des Jesus von Nazareth kennen zu lernen. Manche wollten Kenntnisse auffrischen oder vertiefen, für andere war das Thema ganz neu. Manche erinnerten sich an Kochaktionen und "Modenschau", andere freuten sich vor allem darauf, einer Archäologin alle die Fragen zu stellen, die sie schon immer einmal hatten stellen wollen – aber bisher nicht die Gelegenheit dazu hatten...

Wir hatten uns viel vorgenommen an diesem Wochenende:

Das politische Umfeld Jesu im Spannungsfeld zwischen jüdischen und römischen Lebenswelten wollten wir verstehen lernen. Deshalb mußten wir uns zunächst mit den historischen, politischen, sozialen und gesellschaftlichen sowie den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. in den römischen Provinzen Iudaea und Palaestina auseinandersetzen. Ich erlebe dies oft als den schwierigsten Teil einer solchen Veranstaltung. "Hat Glaube denn überhaupt etwas mit Geschichte zu tun?" werde ich oft skeptisch, manchmal sogar fast aggressiv, gefragt, oder "Was haben die kleinen Leute in Galilaea denn überhaupt mitbekommen von all diesen Umständen? Es gab doch noch gar kein Fernsehen..." Manche der TeilnehmerInnen müssen auch erst einmal ihre – nicht immer positiven – Erinnerungen an den Geschichtsunterricht ihrer Schulzeit beiseite schieben, um sich auf anfangs trocken und fremd klingende Begriffe wie "Hasmonäer", "Makabäer", "Herodiden-Dynastie", "Procuratoren" und dergleichen einlassen zu können. Am Ende der Stunde, die diesem Thema gewidmet ist, steht häufig die Erkenntnis "Wir wissen jetzt, daß wir nichts wissen.", doch die Schwellenangst ist bei den meisten verschwunden. Und man beginnt zu ahnen, daß die historische Realität der Jahre 180 v. Chr. – 70 n. Chr. prägend war für den Menschen Jeshua ben Josef, daß viele seiner Gleichnisse nur vor dem politischen Hintergrund seiner Zeit zu verstehen sind. Der Zugang zur Wirtschafts- und Geldgeschichte der Zeit und Region fällt da schon leichter: Einkommen, Preisentwicklung, Steuerlasten sind uns vertraut – wie war das damals? Das ist spannend! Außerdem ist von Geld, von Zöllnern und Steuern im NT oft die Rede – hier hilft Wissen weiter!

"Jesus war Jude." Dieser Satz war der rote Faden, der uns durch das Labyrinth einer fremden, fernen Lebenswelt führte. Aber was bedeutet das konkret? Welche religiösen Gruppierung gab es zu der Zeit? Wo standen sie politisch? Was bedeutet überhaupt "jüdisches Leben" für die Zeit nach dem babylonischen Exil und vor der Zerstörung des zweiten Tempel? Wie sieht der Lebensweg eines frommen Juden in dieser Zeit aus, wie sein Tagesablauf? Damit nicht auch hier die Theorie regierte, führte uns ein Begleiter durch das Seminar: Josef ben Simeon, 30 Jahre alt, von Beruf Fischer in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kapernaum, verheiratet, Vater von fünf Kindern im Alter von drei bis vierzehn Jahren, an einem Tag im Jahr 30 n.Chr.

Und wie sah der Alltag aus, die Häuser, das Essen, die Kleidung... Fragen über Fragen... und nur ein Abend, ein Tag und ein Vormittag Zeit! Draußen spielten die Kinder – und schließlich auch die Erwachsenen: Spiele, wie sie zu Jesu Lebzeiten rund ums Mittelmeer gespielt wurden: Brettspiele mit selbst gesammelten Kieseln als Spielsteine, Geschicklichkeitsspiele mit Knöchelchen und Nüssen und auch der "Trojanische Krieg" wurde, glücklicherweise völlig unblutig, wieder ausgetragen.

Aber schließlich führten uns diese Themen doch wieder zum Ausgangspunkt zurück – zur Arbeit mit dem NT und zu der Frage: "Wie erzählen wir es den Kindern?" Textarbeit war angesagt an ausgewählten Textstellen. Und manche Bibelstelle zeigte sich in neuem Licht. Bei der Vorbereitung des Abschlußgottesdienstes kam das Anspiel der Zacchäus-Geschichte (Luk. 19,1-10) sogar ganz ohne Kommentare zum geschichtlichen Hintergrund aus. Ein gelungenes Beispiel für die konstruktive Anwendung historisch-kritischer Exegese.

Allmählich entwickelte sich im Lauf des Seminars bei allen TeilnehmerInnen ein Gefühl für die Bildsprache des NT. Es wuchs die Erkenntnis, daß die "realen Lebensumstände der 1. Hälfte des 1. Jh. n.Chr. in Palaestina und Iudaea" – wie der Archäologe oder Althistoriker sagen würde – sich in den Gleichnissen und Geschichten des NT spiegeln. Ohne die Kenntnis dieser Lebenswelt bleibt uns Menschen des 21. Jahrhunderts vieles verschlossen. Uns trennen nicht nur einundzwanzig Jahrhunderte von der Lebenswelt des NT. Wir haben auch mit Übersetzungsproblemen der unterschiedlichsten Art zu kämpfen: die "Übersetzung" der jüdischen Bildsprache in die griechisch-römisch-hellenistische, die sprachlichen Reibungsverluste zwischen Aramäisch, Koinégriechisch und Vulgärlatein, kompliziert durch Luthers Deutsch.

Eine Teilnehmerin faßte das ganz neu gewachsene methodische Problembewußtsein treffend zusammen: "Es wird alles immer komplizierter. Theologische Auslegung, historische Hintergrundarbeit, lebendiges Erzählen und die weitere Umsetzung...da muß man sich ja wochenlang mit einem Text beschäftigen! Aber spannend ist das!"

Natürlich kann man diese aufwendige Recherchearbeit nicht für jeden Kindergottesdienst leisten. Aber gelegentlich einen "ganz besonderen Kindergottesdienst", vielleicht sogar unter Einbeziehung der "experimentellen" bzw. "lebendigen" Archäologie, zu konzipieren oder sogar die Planung eines Events lohnen den Aufwand ganz bestimmt. Kinderbibelwochen ("Geschichten aus Kapernaum") oder –tage, Spielstadtaktionen wie "Galilaea-City" oder "Im Tempel ist was los" haben mehreren Tausend Kindern ganzheitlich, durch eigenes Tun, die Lebenswelt des Jesus von Nazareth und der ersten Christen nahegebracht.

Ja, unser Seminar war spannend. Auch für mich, die Referentin – die Archäologin. Auch ich bin voller Anregungen für die Gestaltung der nächsten Veranstaltungen in meinen Alltag zurückgekehrt.

Wer mehr zum Thema lesen will:
Petra Mayer-Reppert, Lebendige Archäologie im Kindergottesdienst. In: E. Domay (Hrsg.), Arbeitsbuch Kindergottesdienst. Gottesdienst Praxis Ser.B. Gütersloh 1996.
Petra Mayer-Reppert, Religionsunterricht im Museum. In: Entwurf – Religionspädagogische Mitteilungen 3,1999.
Was geschah in Kapernaum? KiBiWo-Werkstattheft. Amt für Missionarische Dienste und Seelsorge (Badische Landeskirche) 2000.
Dr. Petra Mayer-Reppert M.A.,Archäologin und Museumspädagogin
Welfenstr. 29 c – 76137 Karlsruhe – e-mail: petra.mayer-reppert@t-online.de

 


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