

Themenübersicht
2. Die Lebenswelt Jesu –
oder: Die römischen Provinzen Palaestina und Iudaea im ersten Drittel des 1.
Jh. n. Chr.
Gedanken zu einem Basic religionspädagogischer Vermittlung von Dr. Petra
Mayer-Reppert M.A., Archäologin und Museumspädagogin
Als Johann Peter Hebel in den Jahren 1818-1824 an der Fertigstellung eines
Schulbuches für die evangelischen Schulen Badens, den "Biblischen
Geschichten", arbeitet, ist eines seiner wichtigsten Ziele, die Kinder bei
ihrer eigenen Alltagserfahrung abzuholen, sie aus ihrer Lebenswelt heraus
behutsam in die ferne Lebenswelt der Bibel zu leiten.
Seither sind rund 180 Jahre vergangen, die Lebenswelten der Bibel noch ein
Stück weiter entfernt.
Die Problemstellung ist jedoch bis heute die gleiche. Die Lebenswelten des
AT und NT sind dem Menschen des 21. Jh. nicht nur fern, sondern auch fremd:
Die historischen Rahmenbedingungen und die Alltagskultur jener Epochen sind
heute im Regelfall nur noch speziellen Kreisen wie Archäologen, Historikern
und einem kleinen, interessierten Laienpublikum bekannt. Im
Geschichtsunterricht werden kaum noch tragfähige Wissensgrundlagen zu den
Kulturen der Antike gelegt.
Im Klartext heißt das: Zur Zeit wächst eine Generation heran, die von
schulischer Seite her nicht mehr mit den Lebenswelten der Bibel vertraut
gemacht wird. Da Geschichte und Alltagskultur jener Epochen jedoch
grundlegend sind für das Verständnis der biblischen Bildsprache, werden
diese Kinder als Erwachsene Schwierigkeiten haben, biblische Grundaussagen
zu verstehen und selbständig für sich umzusetzen. Letztendlich wird damit
dem christlichen Glauben seine Grundlage entzogen.
Die Konsequenz aus dieser Sachlage kann also nur heißen: Die Kirche muß in
Zukunft diese spezielle historische Vermittlungsarbeit selbst übernehmen,
sei es im Religionsunterricht, im Konfirmandenunterricht, oder eben im
Kindergottesdienst.
Hierbei sind in erster Linie Religionslehrer und
Kindergottesdienstmitarbeiter gefordert.
Im Selbststudium ein solides Wissensfundament aufzubauen ist jedoch für die
Betreffenden kaum zu leisten.
Wir müssen also qualifizierte Weiterbildungsangebote für Haupt- und
Ehrenamtliche entwickeln.
Dies ist sowohl auf regionaler Ebene in den Kirchenkreisen als auch auf
landeskirchlicher Ebene wie der "MitarbeiterInnen-Uni" denkbar. Dafür bietet
sich die Zusammenarbeit mit qualifizierten Wissenschaftlern auf
Referentenbasis an.
Wie kann nun eine solche Weiterbildung zum Neuen Testament, der Lebenswelt
Jesu, für KindergottesdienstmitarbeiterInnen aussehen?
Oberste Priorität hat natürlich eine unmittelbare Ergebnisorientiertheit für
die Umsetzung im Kindergottesdienst.
Die Veranstaltungen sollten eine lockere Reihe bilden, in sich abgeschlossen
sein und jederzeit einen Quereinstieg erlauben.
Ausgehend von den politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der
damaligen Zeit nähern wir uns schrittweise dem Alltagsleben an.
Die Einstiegseinheit etwa könnte – im Historikerjargon – heißen: "Palaestina
zur Zeit der Herodiden und unter römischer Herrschaft". Schon allein der
Titel klingt abschreckend, das Thema wird vielleicht von manchen als trocken
empfunden ("Was hat Glaube mit Geschichte zu tun?") und ist sicherlich im
Kindergottesdienst so nicht unmittelbar umzusetzen. Es erwächst aber ein
Verständnis für die im NT oft nur angedeuteten Zeitbezüge.
Mit Alltagsthemen (Jesus und das Geld – Jerusalem zur Zeit Jesu – Orte, an
denen Jesus lebte und wirkte – u.v.m.) nähern wir uns aber schnell dem
Themen, die Kinder interessieren: Was kostete damals ein Brot? – Wie sahen
die Häuser aus? – ...
Viele Fragen lassen sich schon im Voraus beim Erzählen beantworten.
Fundiertes Detailwissen ermöglicht lebendiges, farbiges Erzählen. Lebendige,
detaillierte Schilderungen prägen sich fest ein. Lebendiges Erzählen schafft
aber auch emotionale Nähe zum Helden der Geschichte und regt zu einer
eigenständigen Auseinandersetzung mit dem Geschehen an.
Vertieftes Wissen kann über das Erzählen hinaus in künstlerisch-praktischer
Tätigkeit (Töpfern, Kochen, Werken) mit den Kindern im Kindergottesdienst
umgesetzt werden. Erkenntnisse der experimentellen Archäologie öffnen
Kindern neue Erfahrungshorizonte, lassen sie antike Realität am eigenen Leib
spüren. Vertieftes Wissen kann einfließen in größere Projekte wie
Krippenspiele, Kinderbibeltage, Schauspiele/Musicals bis hin zu Großevents
wie Spielstädte. Ist der Weg der "Lebendigen Archäologie" im
Kindergottesdienst erst einmal beschritten, ist der Kreativität (fast) keine
Grenze mehr gesetzt.
Dennoch muß niemand das Rad neu erfinden: Workshops und Seminare können in
Arbeitsmappen für Gemeinden und Mitarbeiter münden, wie dies bereits jetzt
z.B. für die Gestaltung von Kinderbibeltagen der Fall ist.
3. Ein Plan für alle Fälle - so kann man den "Plan
für den Kindergottesdienst" nennen bzw. verstehen
Herausgeber ist der Gesamtverband für Kindergottesdienst in der
Evangelischen Kirche in Deutschland. Jedes Kindergottesdienstteam sollte
diesen Plan nicht nur zur Verfügung haben, sondern auch damit arbeiten
können. Es lohnt sich. Warum es sich lohnt?
1. Der Plan als Grundlage und Planungsinstrument
Der Plan für den Kindergottesdienst ist die Grundlage für viele
Arbeitshilfen z.B. Evang. Kinderkirche und Kindergottesdienst praktisch. Nur
weil es einen solchen Plan gibt, ist es möglich solche Arbeitshilfen im
Voraus zu erarbeiten bzw. den Kindergottesdienstteams anzubieten. Die
meisten Kindergottesdienstteams halten sich an die Vorgaben des Plans,
natürlich gibt es Gründe auch einmal von ihm abzuweichen.
Darüber hinaus ist der Plan für den Kindergottesdienst ein hervorragendes
Planungsinstrument. Die einzelnen Kindergottesdienstteams können mit seiner
Hilfe z.B. einen Jahresplan für ihren Kindergottesdienst erstellen. Im
Voraus kann also entschieden werden was machen wir wann, welche besonderen
Veranstaltungen z.B. Gemeindefest, Ausflug, Familiengottesdienst wollen wir
einplanen? Gibt es Einheiten die wir tauschen bzw. austauschen (z.B. durch
die abgedruckten Ergänzungseinheiten) wollen? Welche Einheiten brauchen eine
besonders frühzeitige Planung, weil sie z.B. besondere Materialien oder auch
Menschen brauchen?
2. Der Plan als Vorbereitungshilfe
Das allerwichtigste ist aber, dass der Plan für den Kindergottesdienst eine
konkrete Vorbereitungshilfe für die Kindergottesdienstteams ist. In jedem
Jahrgang werden Texte eines Evangeliums als Schwerpunkt ausgewiesen. Im Jahr
2006 ist dies das Matthäusevangelium. Daneben gibt es auch immer so genannte
Ergänzungseinheiten. Sie erschließen zusätzliche Texte, somit wird die
Auswahl breiter. Es sind also zusätzliche Angebote, die die
Kindergottesdienstteams dann, wenn z.B. eine geplante Einheit nicht gefällt
oder passt, aufnehmen können.
Der Plan bietet nicht nur Texte, sondern er bietet vielfältige Informationen
und Ideen rund um die biblischen Texte bzw. Themen. Jede Bearbeitung ist
folgendermaßen aufgebaut:
"Das Thema und die Kinder" kommen in Begegnung,
"Zugänge und Hindernisse" werden benannt.
Hier erfahren sie alles Wesentliche über die Zielrichtung der Einheit.
Diese Vorarbeit mündet in "Wege der Entfaltung". Sie zeigen Ihnen
alternative Möglichkeiten zur Umsetzung in Ihrem Gottesdienst auf, besonders
auch im Hinblick auf die verschiedenen Altergruppen. Wenn Sie 14tägig oder
monatlich Kindergottesdienst feiern, geben Ihnen die kursiv besetzten
Schwerpunkttexte erste Hinweise auf Möglichkeiten der Entfaltung. Unter der
Rubrik "Im Gottesdienst" finden Sie einen exemplarischen Vorschlag zur
liturgischen und inhaltlichen Gestaltung, unterstützt durch Hinweise auf
Materialien und Medien unter "Hilfen zur Gestaltung".
Wenn Sie Themen suchen für Kinderbibeltage, Kinderbibelwochen,
Kinderkirchentage finden Sie darüber hinaus im Verzeichnis der Bibelstellen
und Stichworte erste Zugänge. Viele Anregungen erhalten Sie durch die
ausführlichen Materialhinweise, die Ihnen als Fundgrube dienen können.
Insgesamt kann man also sagen: Im Plan für den Kindergottesdienst werden die
vorgesehenen Reihen didaktisch aufgearbeitet und diese stellen mit ihrem
Materialteil eine Fundgrube für die religionspädagogische Arbeit mit Kindern
dar. Orientiert an der Vielfalt der Gottesdienst mit Kindern in der EKD,
bietet der Plan eine große Bandbreite an biblischen Reihen, Texten, Themen
und Symbolen. Er bietet Angebote für wöchentliche, 14tägige und monatlich
stattfindende Kindergottesdienste, sowie Themen für Kinderbibeltage,
Kinderbibelwochen, Kinderkirchentage. Der darin enthaltene große
Materialanteil macht diesen Plan weit über den Kindergottesdienst hinaus
(z.B. Religionsunterricht, Konfirmandenunterricht) interessant.
3. Wie entsteht der Plan?
Herausgegeben wird der Plan vom Gesamtverband für Kindergottesdienst in der
Evangelischen Kirche in Deutschland. Dazu wird eine so genannte
Textplankommission mit Vertreterinnen und Vertreter aus vielen Landeskirchen
zusammengestellt. Die Menschen dieser Gruppe haben nun die Aufgabe, einen
Plan für drei Jahre zu erstellen. Zu jedem Text bzw. Thema erarbeiten die
Kommissionsmitglieder theologische, religionspädagogische und
gemeindepädagogische Grundlagen, sowie praktische Ideen, weiterführende
Literaturangaben und vieles mehr.
4. Schöne Ideen und Tipps aus dem aktuellen Plan für den Kindergottesdienst
Der Plan ist wie gesagt eine Fundgruppe an kreativen Ideen, guten Gedanken
und Material- bzw. Medientipps zu ganz unterschiedlichen Themen und Texten.
Wer bestimmte Themen oder biblische Texte, Materialien oder
Hindergrundinformationen sucht, ist gut beraten zuerst einmal in diesem Plan
nachzuschlagen. Das dort abgedruckte Stichwortverzeichnis und das
Bibelstellenregister helfen schnell einen Überblick zu gewinnen.
Hier einige Beispiele:
Bastelideen: Spiegelkarte, S. 178 – Menschen mit Herz sind Engel, S. 213 –
Tischtheater, S. 280.
Spiele und Aktionen: Denkrätsel zum Thema Grenzen überschreiten, S. 62 + 67
– Kooperationsspiele, S. 186 ff. – Der Staunspaziergang, S. 31 – Mit einem
Labyrinth den Weg durchs Leben bauen, S. 36.
Bilder: Der König beim Abwasch, S. 120 – Rundbild zur Schöpfungsgeschichte,
S. 138.
Texte: Was ein Mensch gesagt bekommen (Gedicht von Brecht, S. 3) – Große
Frage (Gedicht von E. Fred, S. 157) – Bearbeitung zum Magnifikat, S. 177.
Lieder: Tauflied auf die Melodie "Jesu, geh du voran" S. 54 – Dies ist der
Tag, den der Herr gemacht, S. 114 – Mitten unter uns will Gott wohnen, S.
131 – Ja, wir bitten um Gottes Geist, S. 246.
Gebet und Segen: Segenswort mit Rückenstärkung, S. 67 – Fürbittenkette, S.
129 – Abschluss- und Segensritual, S. 186 – Vater unser mit Gebärden, S. 241
– aaronitischer Segen mit Gesten, S. 260.
Manfred Hilkert
4. Bei Störungen im Kindergottesdienst mit
Ritualen arbeiten
1.Störungen im Kindergottesdienst
2.Rituale im Kindergottesdienst
3.Rituale und Impulse bei Störungen während des Kindergottesdienstes
4.Hinweis: Bilderbücher über die Wut
5.Abschiedsritual nach einem Konflikt
Den Aufsatz als PDF-Datei (11
Seiten) ansehen?
5. Fernsehen ist die Sozialisationsagentur für
Kinder
Für die 6 - 13jährigen Kinder bleibt das Fernsehen die liebste
Freizeitbeschäftigung. Zwar steigt die Akzeptanz der neuen
Kommunikationsmedien auch in dieser Altersgruppe, zwar gehören das Treffen
mit Freunden und das Spielen (drinnen und draußen) auch zu den bevorzugten
Aktivitäten, doch den Spitzenplatz nimmt das Fernsehen ein:
80 % der Kinder sehen täglich oder fast täglich fern, dazu noch 18 % ein-
oder mehrmals pro Woche.
Das ist ein wesentliches Ergebnis der Basisuntersuchung des
Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest "KIM-Studie 2000 - Kinder und
Medien, Computer und Internet" im Erhebungszeitraum November und Dezember
2000.
Drei Einzelergebnisse aus der repräsentativen Untersuchung:
1. Medienbindung
Drei Viertel der Kinder geben an, auf das Fernsehen am wenigsten verzichten
zu können, für 12 % trifft das auf den Computer zu, für 7 % auf
Zeitschriften/Heftchen und für 6 % auf das Radio.
2. Situationsbezogene Mediennutzung
In welchen Situationen oder für welche Bedürfnisse sind Medien für Kinder im
Alter von 6 - 13 Jahren wichtige Alltagsbegleiter? Die Kinder setzen das
Fernsehen - im Vergleich zu anderen Medien (am Computer sitzen, Lesen,
Telefonieren, CDs hören, Radio hören, Video sehen) - in sieben Bereichen auf
den ersten Platz:
Wenn sie gute Laune haben und mit Freunden zusammen sind, dann sind
Fernsehen und CDs hören gleichermaßen die beliebteste Plattform (jeweils 14
% bzw. 12 %). Nur beim Musik hören rangiert die TV-Nutzung abgeschlagen auf
dem dritten Platz (5 %).
3. Geräteausstattung im Haushalt / Gerätebesitz der Kinder
In allen Haushalten, in denen Kinder aufwachsen, ist lt. Angaben der
Erziehungspersonen ein Fernsehgerät vorhanden; 34 % der Kinder besitzen
einen eigenen Fernseher (West: 29 %, Ost: 51 %). Die Besitzrate beim
Videorecorder beträgt insgesamt 8 % (West: 6 %, Ost: 16 %).
Der persönliche Besitz eines Fernsehgeräts erlaubt Kindern in der Regel eine
autonome Nutzung, inhaltlich und zeitlich. Auch da, wo im Haushalt nur ein
Gerät zur Verfügung steht, weist die Untersuchung darauf hin, dass die
Nutzung dieses Geräts oft durch Kinder (mit-)bestimmt wird.
Fazit
Weitere Einzelergebnisse aus der o.g. KIM-Studie und diverse Analysen zur
Fernsehnutzung von Kindern im Alter von 6 - 13 Jahren lassen diese Aussagen
zu:
Fernsehen ist die Sozialisationsagentur für Kinder;
Das Fernsehprogramm am Nachmittag bietet in hohem Maß fiktionale Angebote,
Daily Talks, und Daily Soaps; hier begegnen Kinder Personen und/oder
Figuren, zu denen sie besondere Beziehungen entwickeln: Idole, Vorbilder;
Das Fernsehprogramm am Frühabend (19:00 h - 21:30 h), eigentlich als ein
Erwachsenenprogramm mit oft wenig für Kinder geeigneten Inhalten gesendet,
ist faktisch ein Familienprogramm mit Kindern;
Die "Marken" aus dem Fernsehprogrammangebot stellen für Kinder (und oft auch
für Erwachsene) Erstorientierung in der Informations- und Datenflut Internet
dar;
Die Ratgeber- und Vermittlungsfunktion der Eltern/primären
Erziehungspersonen rückt immer mehr in den Hintergrund;
Kinder brauchen kompetente und verlässliche Begleiter/-innen zur Entwicklung
und Förderung ihrer eigenen Medienkompetenz;
Lehrerinnen und Lehrer, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit sollten (zumindest zeitweise)
intensiv die von Kindern bevorzugt gesehenen Programme bei deren
Lieblingssendern (Super RTL, RTL II, RTL, PRO 7, KIKA) verfolgen.
(aus RPI aktuell Oktober 2002)
6. THEMA Versicherungsschutz
Immer wieder erreichen mich Anfragen in Sachen Versicherungsschutz von
ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zurecht nehmen die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kindergottesdienst Fragen rund um dieses
Thema Ernst. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nützen, um Ihnen einen
interessanten kurzen und doch sehr informativen Artikel zukommen zu lassen.
Es tut gut zu wissen, dass ehrenamtliches Engagement von der Evangelischen
Landeskirche in Baden gut versichert ist.
ALSO: ENGAGEMENT MIT SICHERHEIT
Versicherungsschutz für Ehrenamtliche
Was tun, wenn auf einer Freizeit die zu beaufsichtigenden Jugendlichen einen
Schaden anrichten? Oder wenn ich mit meinem Privat-Pkw die Lebensmittel für
ein Wochenende in das Freizeitheim transportiere, ich aber unterwegs einen
Blechschaden verursache? Was tun, wenn im Gemeindehaus etwas kaputt geht und
ich die Verantwortung für die Gruppenmitglieder trage? Dann entsteht sehr
schnell die Frage: Bin ich als ehrenamtliche Mitarbeitende/Mitarbeitender
versichert? Ja, so ist es – denn für Ehrenamtliche, die im kirchlichen
Auftrag tätig werden, besteht umfassender Versicherungsschutz.
Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die
Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich
verletzt, ist nach § 828 Abs. 1 BGB dem Anderen zum Ersatz des daraus
entstandenen Schadens (z.B. Verdienstausfall, Heilbehandlungskosten,
Schmerzensgeld) verpflichtet. Diese kraft Gesetz angeordnete
Schadensersatzpflicht trifft jedermann.
Für die Beurteilung der Haftung gegenüber dem Geschädigten spielt es keine
Rolle, ob der Schädiger den Schaden als Privatperson in seiner Freizeit oder
als ehrenamtliche Mitarbeiterin oder als ehrenamtlicher Mitarbeiter
verursacht hat. Angesichts der Tatsache, dass die ehrenamtlich Tätigen ihre
Dienste unentgeltlich zur Verfügung stellen, hat die Evangelische
Landeskirche in Baden die ehrenamtlichen in gleicher Weise und gleichem
Umfang mitversichert wie die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass weder der/die
Ehrenamtliche mit seinem Privatvermögen haftet, noch die
Beschäftigungsstelle für den Schaden aufkommen muss, zumal
Privathaftpflichtversicherungen die ehrenamtliche Tätigkeit regelmäßig vom
Versicherungsschutz ausschließen.
Haftpflicht
Über den Haftpflicht-Sammelversicherungsbetrag besteht u.a.
Versicherungsschutz für das persönliche, gesetzliche Haftpflichtrisiko aus
der dienstlichen Tätigkeit.
UnfallÜber den Sammel-Unfallversicherungsvertrag besteht
Versicherungsschutz, auch für ehrenamtlich tätige Personen, während der Zeit
ihrer dienstlichen Verrichtungen.
Wie bei den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besteht kein
Versicherungsschutz, wenn die verunfallte Person wegen des Unfalls Leistung
nach den Bestimmungen des Sozialgesetzbuches zu erhalten hat.
Dienstreise-Kasko-Versicherung
Im Bereich der Dienstreise-Kasko-Versicherung besteht der Schutz des
Sammel-Versicherungsvertrages bei vorher angeordneten Auftragsfahrten für
Ehrenamtliche mit erweitertem Versicherungsschutz.
(Reuter)
Info:
Zur Versicherung in der Evangelischen Landeskirche in Baden, einschließlich
den Versicherungsschutz der Ehrenamtlichen, kann eine Versicherungsbroschüre
mit dem Titel "Gemeinsam auf sicherem Weg" kostenfrei bei der Expeditur des
Evangelischen Oberkirchenrats angefordert werden unter:
Tel. 0721 – 9175 – 727 oder per e-mail: Werner.Rogg@ekiba.de
Aus: Mitteilungen 3/2001
7. Vorüberlegungen zu einer Didaktik des
Perspektivenwechsels
Referat bei der Alpikagruppe "Gemeindliche Arbeit mit Kindern" Karlsruhe
Durlach 23.10.2002
Prof. Dr. Hartmut Rupp
Vortrag als PDF-Datei ansehen?
8. Spielen im Kindergottesdienst
1. Im Kindergottesdienst spielen?
1.1. Spielen im Kindergottesdienst - hat viele gute Gründe!
Spielen ist eine sinnvolle
Beschäftigung
Erwachsene haben oftmals eine sehr ambivalente Haltung zum Spielen. Das "nur
Spielen" wird häufig voreilig als nutzlose Zeitvergeudung eingeschätzt und
mit der Frage "Hast du nichts besseres zu tun?" negativ quittiert.
Andererseits erleben auch immer mehr Erwachsene, wie das Spielen, gerade
auch gemeinsam mit den Kindern, alles andere als Zeitvergeudung ist. Darüber
hinaus ist die Tatsache, dass unendlich viele Gameshows täglich aus dem
Fernseher in unser Wohnzimmer Einlass finden ist zumindest ein Indiz dafür,
dass das Spielen wohl auch alterstunabhängig und damit
generationenübergreifend eine reizvolle Beschäftigung darstellt. Wobei es
natürlich ein himmelweiter Unterschied ist, ob man mehr oder weniger passiv
über den Fernseher eine Gameshow konsumiert oder ob man in einer Gruppe
gemeinsam ein Spiel erlebt und aktiv mitgestaltet. Insgesamt entdecken immer
mehr Familien und auch Mitarbeitende im Kindergottesdienst die Chancen und
das bereichernde am gemeinsamen Spiel.
Richtig so! Denn längst hat auch die Spielpädagogik den Verdacht, dass
spielen nutzlos und eine Zeitvergeudung wäre, widerlegt. Das gemeinsame
Spielen ist nicht nur unterhaltsam sondern äußerst lehrreich. Auch hat sich
die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Spielen oft positive Auswirkungen auf
unseren Alltag bzw. dessen Bewältigung hat. "Spielen ist Ausdruck von
Hoffnung und kann Energiequelle für die Veränderung realer Zustände werden."
Folgende Aspekte des Spielens sind für unsere Kindergottesdienste von
besonderem Interesse und wohl auch die Ursache dafür, dass immer mehr
Mitarbeitende das Spielen im Kindergottesdienst als ein bereicherndes
Element entdecken:
Spielen nimmt die Bedürfnisse der Kinder ernst und
macht Spaß
Wenn wir im Kindergottesdienst gemeinsam spielen, ist dies ein wichtiger
Beitrag um die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder auf- bzw. ernst zu
nehmen. Spielen ist eine sehr einfache aber auch sehr wirksame Möglichkeit
die Perspektive hin zu den Kindern zu wechseln. Beim Spielen gelten für alle
Beteiligten, also für Erwachsene und Kinder, die gleichen Spielregeln.
Für Kinder gehört das Spiel wie Essen und Schlafen zum lebensnotwendigen.
Spielen macht Spaß, setzt Kreativität frei und fasst immer ist damit auch
ein Lernzuwachs verbunden. Die Neugier der Kinder, sich auszuprobieren, neue
Erfahrungen machen zu können, wird spielerisch und ganzheitlich aufgenommen.
Und obwohl es beim spielen sehr ernst zugehen kann, geschieht dies alles
doch in einem "geschützten Raum". Gerade das ist vielleicht der besondere
Reiz des Spielens. Aber auch dem kindlichen Bewegungstrieb wird durch das
Spielen Rechnung getragen. Ein Kindergottesdienst, der nicht ausreichend
"bewegt" ist, ist für Kinder schlicht eine Zumutung. Das gilt ganz besonders
für die Jungen. Gerade für die sich immer stärker vom Kindergottesdienst
verabschiedende Gruppe der Jungs ist das Spielen sicherlich eine willkommene
Bereicherung.
Spielen ist Beziehungsarbeit
Wenn wir gemeinsam mit den Kindern spielen, dann ist das eine äußerst
intensive Beziehungsarbeit. Im Spiel lernen sich die Kinder untereinander,
aber auch uns Mitarbeitende und umgekehrt kennen. Spielen kann helfen
Vorurteile abzubauen bzw. neue Sichtweisen über Mitspielende zu gewinnen.
Eine große Stärke und Chance des Kindergottesdienstes sind gerade seine
intensiven Beziehungsstrukturen. Sicher werden durch das gemeinsame Spielen
im Kindergottesdienst noch intensivere Beziehungen zwischen Mitarbeitenden
und Kindern wachsen können.
Spielen hat Ziele und Absichten
Daneben können wir im Kindergottesdienst mit dem Spielen auch bestimmte, von
uns erwünschte Absichten und Ziele verbinden. Ein kleines Beispiel macht
deutlich, wie das geschehen kann:
Sicherlich kennen Sie die Situation, dass die Kinder voller Unruhe und
Spannung im Kindergottesdienst vor uns sitzen und es unmöglich erscheint,
sie für eine Sache, ob nun Geschichte oder was auch immer, zu interessieren.
Hier kann ein kleines Spiel, das dem Ziel "Abbau von Spannungen und Unruhe"
dient, wahre Wunder wirken.
Aber auch wenn es unser Ziel ist, die Kinder in Kleingruppen einzuteilen,
kann dies auf spielerische Art und Weise geschehen. Wer also ein gewisses
Repertoire von Spielen im Hinterkopf hat bzw. auf ein solches zurückgreifen
kann, kann damit auf viele Situationen angemessen und flexibel mit einem
ausgesuchten Spiel reagieren.
Wenn es darum geht eine biblische Geschichte oder ein Thema bzw. eine Person
motivierenden im Kindergottesdienst einzuführen können wir dazu bestimmte
Spiele einsetzen.
Schließlich können Spiele auch dazu beitragen, um theologische bzw.
religionspädagogische Anliegen zu verdeutlichen oder zu einer ganzheitlichen
Erfahrung werden zu lassen. Zunächst nur theoretisch formulierte Aussagen
werden dann z.B. mit Spielen aus dem Bereich "Mit allen Sinnen
/Körperkontakt", zu einer praktischen und ganzheitlichen Erfahrung.
Allerdings ersetzen Spiele in der Regel die im Kindergottesdienst übliche,
kindgemäße und kreative Auseinandersetzung mit dem biblischen Text oder
Thema nicht.
Es gibt also genügend gute Gründe um im Kindergottesdienst mit "Spielen" zu
operieren, sodass niemand erst den Ehrgeiz zu entwickeln braucht sämtliche
Spiele, die wir im Kindergottesdienst einbringen wollen in einen
theologischen oder biblischen Kontext zu stellen bzw. damit versucht diese
zu legitimieren.
1.2. Spielorte - rund um den Kindergottesdienst
1.2.1. Spielen im Kindergottesdienst
Unsere Kindergottesdienste sind vollwertige Gottesdienste mit vielen
kindgemäßen, liturgischen Elementen. Sie sollen es auch bleiben. Dies macht
aber nur Sinn bzw. ist nur dann eine Bereicherung, wenn wir die Liturgie als
etwas sehr lebendiges und auch als etwas abwechslungsreiches verstehen.
Liturgie ist immer wieder eine Gestaltungsaufgabe, die wir gerade um die
Kindern nicht zu langweilen, ernstnehmen müssen. Spielen ist dabei
sicherlich ein wichtiges und bereicherndes Gestaltungselement, allerdings
darf der Kindergottesdienst sich nicht zu einer "Spielstunde mit Gebet"
entwickeln. Da gibt es genügend andere Orte in unseren Gemeinden, wo dies im
Vordergrund stehen darf. Ziel dieser Spielesammlung ist viel mehr Spiele
harmonisch in unsere liturgisch geprägten Gottesdienstfeiern einzufügen bzw.
damit zu ergänzen.
1.2.2. Spielen vor oder nach dem Kindergottesdienst
Die bisherigen Überlegungen, dass das gemeinsame Spielen ein wertvolles
Element ist, reizen über einen weiteren intensiven und damit besonderen
Spielort im Kindergottesdienst, nachzudenken.
Einen wichtigen Impuls dazu kann uns ein Blick zur der "Willow Creek"
Gemeinde in Chicago/USA geben.
Die Willow Creek Gemeinde ist eine schnellwachsende Gemeinde, die sich zum
Ziel gesetzt hat, besonders die "Fernstehenden" anzusprechen. Das Konzept
ist erfolgreich. Über 20.000 Erwachsene besuchen übers Wochenende die
unterschiedlichen Gottesdienste. Daneben gibt es ein eigenes Angebot "Promiseland"
für Kinder. Promiseland wird als Kindergottesdienst der Willow Creek
Gemeinde verstanden. An jedem Wochenende treffen sich über 3.000 Kinder. Bei
Gesprächen mit Mitarbeitenden in Promiseland wurde ich immer wieder auf die
positiven Auswirkungen der sogenannten "Fune Zone" hingewiesen. Die "Fune
Zone" ist nichts anderes als ein regelmäßiges Angebot an die Kinder etwa 20
Minuten lang, bevor der eigentliche Gottesdienst beginnt, nach Herzenslust
zu spielen. Aus Sicht der Mitarbeitenden ist dies eine wichtige Phase von
Promiseland, die sie selbst intensiv zum Mitspielen nutzen. Besonders der
bereits von mir an anderer Stelle ausgeführte Aspekt der Beziehungsarbeit
steht dabei aus Sicht der Mitarbeitenden im Vordergrund. Auch die
Begeisterung der Kinder hat mich von der Attraktivität eines solchen
Spielangebotes überzeugt. Hinzu kommt die Erfahrung, dass die Kinder
ausgeglichen, entspannt und somit offen für das was dann folgt, aus der "Fune-Zone"
herauskommen.
Vielleicht haben Sie ja die Möglichkeit, zusätzlich zum Spielen im
Kindergottesdienst selbst, den Kindern ein regelmäßiges Spielangebot, am
Besten vor dem Kindergottesdienst, zu machen. Bei gutem Wetter wird vor der
Kirche/dem Gemeinderaum gespielt und bei schlechtem Wetter in der Kirche
oder im Gemeindehaus. Dem Kindergottesdienst sind dann etwa 20 Minuten
gemeinsames Spielen vorgeschaltet!
1.2.3. Spielen zu besonderen Anlässen
Rund um den Kindergottesdienst gibt es immer wieder besondere
Veranstaltungen und Anlässe bei denen "das gemeinsame Spielen", gerade aus
Sicht der Kinder, gefragt ist.
Beim jährlichen Kindergottesdienstausflug lädt vielleicht eine Wiese zu
Ball- oder Fangspielen ein.
Aber auch beim Gemeindefest ist ein solches Spielangebot aus Sicht der
Kinder bestimmt eine Bereicherung.
Ohne Zweifel dürfen Spiele auch bei einer Kindergottesdienstfreizeit nicht
fehlen.
Zum Buch Kindergottesdienstspiele?
9. "Land und Leute in Palaestina zur Zeit Jesu"
Gedanken zum Seminar in Hohenwart vom 11.-13.7.2003
24 Erwachsene und 25 Kinder zwischen 3 und 13 Jahren fanden sich an diesem
hochsommerlichen Wochenende in Hohenwart ein, voller Erwartung, gespannt und
neugierig auf das Thema.
Ziel war, die Lebenswelt des Jesus von Nazareth kennen zu lernen. Manche
wollten Kenntnisse auffrischen oder vertiefen, für andere war das Thema ganz
neu. Manche erinnerten sich an Kochaktionen und "Modenschau", andere freuten
sich vor allem darauf, einer Archäologin alle die Fragen zu stellen, die sie
schon immer einmal hatten stellen wollen – aber bisher nicht die Gelegenheit
dazu hatten...
Wir hatten uns viel vorgenommen an diesem Wochenende:
Das politische Umfeld Jesu im Spannungsfeld zwischen jüdischen und römischen Lebenswelten wollten wir verstehen lernen. Deshalb mußten wir uns zunächst mit den historischen, politischen, sozialen und gesellschaftlichen sowie den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. in den römischen Provinzen Iudaea und Palaestina auseinandersetzen. Ich erlebe dies oft als den schwierigsten Teil einer solchen Veranstaltung. "Hat Glaube denn überhaupt etwas mit Geschichte zu tun?" werde ich oft skeptisch, manchmal sogar fast aggressiv, gefragt, oder "Was haben die kleinen Leute in Galilaea denn überhaupt mitbekommen von all diesen Umständen? Es gab doch noch gar kein Fernsehen..." Manche der TeilnehmerInnen müssen auch erst einmal ihre – nicht immer positiven – Erinnerungen an den Geschichtsunterricht ihrer Schulzeit beiseite schieben, um sich auf anfangs trocken und fremd klingende Begriffe wie "Hasmonäer", "Makabäer", "Herodiden-Dynastie", "Procuratoren" und dergleichen einlassen zu können. Am Ende der Stunde, die diesem Thema gewidmet ist, steht häufig die Erkenntnis "Wir wissen jetzt, daß wir nichts wissen.", doch die Schwellenangst ist bei den meisten verschwunden. Und man beginnt zu ahnen, daß die historische Realität der Jahre 180 v. Chr. – 70 n. Chr. prägend war für den Menschen Jeshua ben Josef, daß viele seiner Gleichnisse nur vor dem politischen Hintergrund seiner Zeit zu verstehen sind. Der Zugang zur Wirtschafts- und Geldgeschichte der Zeit und Region fällt da schon leichter: Einkommen, Preisentwicklung, Steuerlasten sind uns vertraut – wie war das damals? Das ist spannend! Außerdem ist von Geld, von Zöllnern und Steuern im NT oft die Rede – hier hilft Wissen weiter!
"Jesus war Jude." Dieser Satz war der rote Faden, der uns durch das Labyrinth einer fremden, fernen Lebenswelt führte. Aber was bedeutet das konkret? Welche religiösen Gruppierung gab es zu der Zeit? Wo standen sie politisch? Was bedeutet überhaupt "jüdisches Leben" für die Zeit nach dem babylonischen Exil und vor der Zerstörung des zweiten Tempel? Wie sieht der Lebensweg eines frommen Juden in dieser Zeit aus, wie sein Tagesablauf? Damit nicht auch hier die Theorie regierte, führte uns ein Begleiter durch das Seminar: Josef ben Simeon, 30 Jahre alt, von Beruf Fischer in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kapernaum, verheiratet, Vater von fünf Kindern im Alter von drei bis vierzehn Jahren, an einem Tag im Jahr 30 n.Chr.
Und wie sah der Alltag aus, die Häuser, das Essen, die Kleidung... Fragen über Fragen... und nur ein Abend, ein Tag und ein Vormittag Zeit! Draußen spielten die Kinder – und schließlich auch die Erwachsenen: Spiele, wie sie zu Jesu Lebzeiten rund ums Mittelmeer gespielt wurden: Brettspiele mit selbst gesammelten Kieseln als Spielsteine, Geschicklichkeitsspiele mit Knöchelchen und Nüssen und auch der "Trojanische Krieg" wurde, glücklicherweise völlig unblutig, wieder ausgetragen.
Aber schließlich führten uns diese Themen doch wieder zum
Ausgangspunkt zurück – zur Arbeit mit dem NT und zu der Frage: "Wie erzählen
wir es den Kindern?" Textarbeit war angesagt an ausgewählten Textstellen.
Und manche Bibelstelle zeigte sich in neuem Licht. Bei der Vorbereitung des
Abschlußgottesdienstes kam das Anspiel der Zacchäus-Geschichte (Luk.
19,1-10) sogar ganz ohne Kommentare zum geschichtlichen Hintergrund aus. Ein
gelungenes Beispiel für die konstruktive Anwendung historisch-kritischer
Exegese.
Allmählich entwickelte sich im Lauf des Seminars bei allen TeilnehmerInnen
ein Gefühl für die Bildsprache des NT. Es wuchs die Erkenntnis, daß die
"realen Lebensumstände der 1. Hälfte des 1. Jh. n.Chr. in Palaestina und
Iudaea" – wie der Archäologe oder Althistoriker sagen würde – sich in den
Gleichnissen und Geschichten des NT spiegeln. Ohne die Kenntnis dieser
Lebenswelt bleibt uns Menschen des 21. Jahrhunderts vieles verschlossen. Uns
trennen nicht nur einundzwanzig Jahrhunderte von der Lebenswelt des NT. Wir
haben auch mit Übersetzungsproblemen der unterschiedlichsten Art zu kämpfen:
die "Übersetzung" der jüdischen Bildsprache in die
griechisch-römisch-hellenistische, die sprachlichen Reibungsverluste
zwischen Aramäisch, Koinégriechisch und Vulgärlatein, kompliziert durch
Luthers Deutsch.
Eine Teilnehmerin faßte das ganz neu gewachsene methodische
Problembewußtsein treffend zusammen: "Es wird alles immer komplizierter.
Theologische Auslegung, historische Hintergrundarbeit, lebendiges Erzählen
und die weitere Umsetzung...da muß man sich ja wochenlang mit einem Text
beschäftigen! Aber spannend ist das!"
Natürlich kann man diese aufwendige Recherchearbeit nicht für jeden
Kindergottesdienst leisten. Aber gelegentlich einen "ganz besonderen
Kindergottesdienst", vielleicht sogar unter Einbeziehung der
"experimentellen" bzw. "lebendigen" Archäologie, zu konzipieren oder sogar
die Planung eines Events lohnen den Aufwand ganz bestimmt. Kinderbibelwochen
("Geschichten aus Kapernaum") oder –tage, Spielstadtaktionen wie "Galilaea-City"
oder "Im Tempel ist was los" haben mehreren Tausend Kindern ganzheitlich,
durch eigenes Tun, die Lebenswelt des Jesus von Nazareth und der ersten
Christen nahegebracht.
Ja, unser Seminar war spannend. Auch für mich, die Referentin – die
Archäologin. Auch ich bin voller Anregungen für die Gestaltung der nächsten
Veranstaltungen in meinen Alltag zurückgekehrt.
Wer mehr zum Thema lesen will:
Petra Mayer-Reppert, Lebendige Archäologie im Kindergottesdienst. In: E.
Domay (Hrsg.), Arbeitsbuch Kindergottesdienst. Gottesdienst Praxis Ser.B.
Gütersloh 1996.
Petra Mayer-Reppert, Religionsunterricht im Museum. In: Entwurf –
Religionspädagogische Mitteilungen 3,1999.
Was geschah in Kapernaum? KiBiWo-Werkstattheft. Amt für Missionarische
Dienste und Seelsorge (Badische Landeskirche) 2000.
Dr. Petra Mayer-Reppert M.A.,Archäologin und Museumspädagogin
Welfenstr. 29 c – 76137 Karlsruhe – e-mail: petra.mayer-reppert@t-online.de
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